EU-Bio-Siegel: was das Blatt aus Sternen garantiert
Das EU-Bio-Logo erklärt: die 95-Prozent-Regel, die Codenummer DE-ÖKO-XXX entschlüsselt, Pflichtangaben und was das Siegel ausdrücklich nicht abdeckt.
Das EU-Bio-Siegel garantiert, dass mindestens 95 Prozent der landwirtschaftlichen Zutaten aus zertifiziert ökologischem Anbau stammen und der Betrieb mindestens einmal jährlich kontrolliert wird. Es ist der gesetzliche Mindeststandard und seit dem 1. Juli 2010 auf allen vorverpackten Bio-Lebensmitteln Pflicht, die in der EU hergestellt werden. Was es nicht garantiert, ist ebenso wichtig: keine Regionalität, keine Aussage über den Nährwert und keine Umstellung des gesamten Betriebs.
So sieht das Siegel aus
Das EU-Bio-Logo zeigt ein Blatt, das aus zwölf weißen Sternen auf grünem Grund gebildet wird. Die Gestaltung ist rechtlich festgelegt und lässt kaum Spielraum:
- Es muss dem vorgegebenen Grün-Weiß-Farbschema entsprechen. Nur im Schwarz-Weiß-Druck ist eine Ausnahme zulässig.
- Die Mindestgröße beträgt 13,5 mal 9 Millimeter. Bei sehr kleinen Verpackungen sind 9 mal 6 Millimeter erlaubt.
- Es darf nicht stilisiert werden, also weder mit transparentem Hintergrund noch mit 3D-Effekten.
Wer ein grünes Zeichen mit Blattmotiv sieht, das anders aussieht, hat kein EU-Bio-Logo vor sich, sondern eine Eigenmarke oder ein Werbezeichen ohne rechtliche Bindung.
Die Codenummer DE-ÖKO-XXX entschlüsseln
Direkt unter oder neben dem Logo stehen zwei Pflichtangaben. Die erste ist die Codenummer der Öko-Kontrollstelle. Sie folgt einem festen Aufbau:
| Bestandteil | Beispiel | Bedeutung |
|---|---|---|
| zwei Buchstaben | DE | Ländercode des Landes, in dem die Kontrollstelle zugelassen ist |
| drei Zeichen | ÖKO | festgelegte Kennung, in Deutschland immer ÖKO |
| bis zu drei Ziffern | 001 | Referenznummer der einzelnen Kontrollstelle, hier die Kiwa BCS Öko-Garantie GmbH |
Wichtig für die Einordnung: Die Codenummer sagt, wer geprüft hat. Sie sagt nicht, wo das Produkt gewachsen ist und von welchem Hof es stammt. Das ist die häufigste Fehlannahme zu dieser Nummer.
Die Herkunftsangabe daneben
Die zweite Pflichtangabe ist der Ort, an dem die landwirtschaftlichen Rohstoffe erzeugt wurden. Sie erscheint in einer von drei Formen: "EU-Landwirtschaft", "Nicht-EU-Landwirtschaft" oder "EU-/Nicht-EU-Landwirtschaft" bei gemischter Herkunft. Mehr Auflösung gibt es an dieser Stelle nicht. "EU-Landwirtschaft" umfasst Andalusien genauso wie den Bodensee.
Was der Standard konkret verlangt
Die EU-Öko-Verordnung regelt Anbau, Tierhaltung, Verarbeitung und Kontrolle. Die für den Einkauf wichtigsten Werte:
| Bereich | Anforderung |
|---|---|
| Zutaten | mindestens 95 Prozent der landwirtschaftlichen Zutaten aus ökologischem Anbau |
| Doppelte Zutat | derselbe Inhaltsstoff darf nicht gleichzeitig als Bio- und als Nicht-Bio-Zutat enthalten sein |
| Düngung | höchstens 170 Kilogramm Stickstoff je Hektar und Jahr |
| Umstellung | Teilumstellung des Betriebs ist zulässig |
| Futter für Pflanzenfresser | mindestens 60 Prozent aus der eigenen Region, seit 2023 mindestens 70 Prozent |
| Zusatzstoffe | von 320 in der EU zugelassenen Lebensmittelzusatzstoffen sind knapp 56 in Bio-Produkten nutzbar, keine künstlichen Farb- und Aromastoffe |
| Kontrolle | mindestens einmal jährlich der gesamte Betrieb durch zugelassene private Kontrollstellen, dazu unangemeldete Stichproben |
Wo das Siegel nicht stehen darf
Das EU-Bio-Logo ist an mehreren Stellen ausdrücklich ausgeschlossen. Das erklärt, warum manche Bio-Ware kein Logo trägt, ohne dass etwas faul wäre:
- bei Produkten mit weniger als 95 Prozent Bio-Zutaten
- in der Gemeinschaftsverpflegung, also in Restaurants, Kantinen und Krankenhäusern
- auf Kosmetik sowie auf Jagd- und Fischereierzeugnissen aus Wildbeständen
- auf Umstellungsware, also auf Erzeugnissen von Flächen, die noch in der Umstellungsphase sind
Lose Ware am Marktstand braucht ebenfalls kein Logo, der Stand muss aber selbst zertifiziert sein. Wer dort Bio kauft, sollte nach der Kontrollstellennummer fragen.
EU-Bio-Siegel und deutsches Bio-Siegel
Das sechseckige deutsche Bio-Siegel mit dem Schriftzug "Bio" existiert seit 2001, Rechtsgrundlage ist das Öko-Kennzeichengesetz. Seit das EU-Logo 2010 verpflichtend wurde, ist es freiwillig und darf zusätzlich geführt werden. Inhaltlich steht dahinter derselbe Standard. Bis zum 31.10.2024 hatten 7.145 Unternehmen 109.083 Produkte in der Bio-Siegel-Datenbank registriert.
Zwei Zeichen auf einer Packung bedeuten also keine doppelte Prüfung, sondern eine zusätzliche freiwillige Kennzeichnung mit dem bekannteren deutschen Logo.
Was das EU-Bio-Siegel nicht garantiert
Vier Punkte, die im Regal regelmäßig überschätzt werden:
- Kein Regionalitätsnachweis. Die Herkunftsangabe trennt nur EU von Nicht-EU. Der Weg vom Feld ins Regal kann trotzdem tausend Kilometer betragen.
- Kein reiner Bio-Betrieb. Die Teilumstellung ist erlaubt. Derselbe Landwirt darf einen Teil seiner Flächen ökologisch und den Rest konventionell bewirtschaften. Die Verbände Bioland, Demeter, Naturland, Biokreis und Gäa verbieten genau das.
- Keine Aussage über Verarbeitung. Knapp 56 zugelassene Zusatzstoffe sind deutlich weniger als die 320 der konventionellen Verarbeitung, aber ein hochverarbeitetes Produkt bleibt hochverarbeitet.
- Keine Aussage über Ernährung. Das Siegel beschreibt ein Anbau- und Verarbeitungsverfahren. Über den Nährwert eines einzelnen Produkts sagt es nichts.
Abgrenzung zu den Verbandssiegeln
Der Sprung vom EU-Standard zu den Verbänden lässt sich an drei Zahlen festmachen:
| Kriterium | EU-Bio | Bioland, Demeter, Naturland, Biokreis |
|---|---|---|
| Stickstoff je Hektar und Jahr | 170 kg | 112 kg |
| Umstellung des Betriebs | Teilumstellung erlaubt | nur Gesamtbetrieb |
| Futterherkunft | mind. 70 Prozent aus der Region | 50 bis 70 Prozent vom eigenen Betrieb oder aus fester Kooperation |
Die vollständige Gegenüberstellung aller sieben Siegel mit Träger, Kontrolle und Kritikpunkt steht im Vergleich der Bio-Siegel. Zu den einzelnen Verbänden gibt es eigene Seiten: Bioland, Demeter und Naturland.
Weitere Ratgeber zum Thema finden Sie im Bereich Bio-Lebensmittel.
Sonderfall Wein
Wein war lange vom EU-Bio-Logo ausgenommen und darf erst seit der Regelung zum ökologischen Weinbau als Bio-Wein gekennzeichnet werden. Was das für den Einkauf bedeutet, steht im Ratgeber zum ökologischen Weinbau. Ein zweiter Punkt, den das Bio-Logo nicht abdeckt: ob ein Wein vegan ist, hängt an den Schönungsmitteln und nicht am Anbau, dazu die Kaufberatung für veganen Wein.
Quellen
- Europäische Kommission, Regeln zum EU-Bio-Logo (Gestaltung, Mindestgröße, Pflichtangaben, Ausschlüsse)
- oekolandbau.de zu Zusatzstoffen in Bio-Lebensmitteln und zum Kontrollverfahren
- Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung, Liste der zugelassenen Öko-Kontrollstellen
- Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat zum staatlichen Bio-Siegel
Stand: 09/2026.
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Häufige Fragen
Was bedeutet das EU-Bio-Siegel?
Es bestätigt, dass mindestens 95 Prozent der landwirtschaftlichen Zutaten aus zertifiziert ökologischem Anbau stammen und der Betrieb nach der EU-Öko-Verordnung kontrolliert wird. Seit dem 1. Juli 2010 ist es auf allen vorverpackten Bio-Lebensmitteln Pflicht, die in der EU hergestellt werden.
Wie sieht das EU-Bio-Logo aus?
Es zeigt ein Blatt aus zwölf weißen Sternen auf grünem Grund. Die Gestaltung ist festgelegt: vorgegebenes Grün-Weiß-Farbschema, Mindestgröße 13,5 mal 9 Millimeter, bei sehr kleinen Verpackungen 9 mal 6 Millimeter. Stilisierungen wie transparenter Hintergrund oder 3D-Effekte sind nicht zulässig.
Was bedeutet DE-ÖKO-001 auf der Verpackung?
Das ist die Codenummer der Öko-Kontrollstelle. DE steht für das Land, in dem die Kontrollstelle zugelassen ist, ÖKO ist die festgelegte Kennung, und die bis zu dreistellige Ziffernfolge bezeichnet die einzelne Stelle. DE-ÖKO-001 ist die Kiwa BCS Öko-Garantie GmbH. Die Nummer sagt aus, wer geprüft hat, nicht wo das Produkt herkommt.
Ist das EU-Bio-Siegel dasselbe wie das deutsche Bio-Siegel?
Inhaltlich ja, formal nein. Das sechseckige deutsche Bio-Siegel gibt es seit 2001 auf Grundlage des Öko-Kennzeichengesetzes. Seit das EU-Logo 2010 zur Pflicht wurde, ist es freiwillig und steht für dieselben Anforderungen. Beide Zeichen nebeneinander bedeuten keine strengere Prüfung.
Warum tragen manche Bio-Produkte kein EU-Bio-Logo?
Weil das Logo an mehreren Stellen ausgeschlossen ist: bei weniger als 95 Prozent Bio-Zutaten, in der Gemeinschaftsverpflegung, auf Kosmetik sowie Jagd- und Fischereierzeugnissen aus Wildbeständen und auf Umstellungsware. Auch lose Ware am Marktstand braucht kein Logo, der Stand muss aber selbst zertifiziert sein.
Bedeutet EU-Bio, dass der ganze Betrieb ökologisch wirtschaftet?
Nein. Die EU-Öko-Verordnung erlaubt die Teilumstellung. Ein Betrieb darf einen Teil seiner Flächen ökologisch und den Rest konventionell bewirtschaften. Die Verbände Bioland, Demeter, Naturland, Biokreis und Gäa verbieten das und verlangen die Umstellung des gesamten Betriebs.
Wie viele Zusatzstoffe erlaubt das EU-Bio-Siegel?
In der EU sind insgesamt 320 Lebensmittelzusatzstoffe zugelassen, für Bio-Produkte davon knapp 56, also etwa ein Sechstel. Künstliche Farbstoffe und künstliche Aromastoffe sind ausgeschlossen.