Naturfarben kaufen: Ratgeber zu Bindemitteln, Emissionen und Deckkraft
Naturfarben und ökologische Wandfarben kaufen: Bindemittel, Emissionen, Deckkraft und Untergründe verständlich erklärt. Kaufberatung mit Checkliste und Grenzen.
3 Min. Lesezeit
Naturfarben und ökologische Wandfarben überzeugen mit natürlichen Bindemitteln, geringen Emissionen und einem angenehmen Raumklima. Beim Kauf entscheidend sind die Deklaration der Inhaltsstoffe, die Deckkraft und der passende Farbtyp für den jeweiligen Untergrund. Dieser Ratgeber zeigt, worauf Sie achten sollten und wo Naturfarben an Grenzen stoßen.
Was Naturfarben von konventionellen Farben unterscheidet
Konventionelle Dispersionsfarben basieren meist auf Kunststoffbindemitteln und können Konservierungsstoffe, Weichmacher und Lösemittel enthalten. Naturfarben setzen dagegen auf mineralische oder pflanzliche Bindemittel und verzichten weitgehend auf petrochemische Zusätze. Das Ergebnis sind Anstriche, die diffusionsoffen sind, also Feuchtigkeit durchlassen, und ein gesundes Wohnklima unterstützen.
Ein wichtiges Detail: Der Begriff Naturfarbe ist nicht geschützt. Aussagekräftiger ist die vollständige Volldeklaration aller Inhaltsstoffe, wie sie hochwertige Hersteller anbieten. Anregungen zu naturnahen Produkten und Herstellern finden Sie auch im Portrait zu Laguna Science.
Die wichtigsten Bindemittel im Überblick
Das Bindemittel bestimmt Charakter, Untergrund und Haltbarkeit einer Naturfarbe. Diese Typen sind am gebräuchlichsten:
| Farbtyp | Bindemittel | Eignung | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Kalkfarbe | Sumpf- oder Weißkalk | Innen, feuchte Räume | stark diffusionsoffen, unwirtlich für Schimmel |
| Silikatfarbe | Kaliwasserglas | mineralische Untergründe, Fassade | sehr langlebig, verkieselt mit dem Grund |
| Lehmfarbe | Tonminerale | Innenräume | reguliert Feuchte, matte Optik |
| Naturharz-Dispersion | Pflanzenöle, Naturharze | viele Innenflächen | gut deckend, breite Anwendung |
Nicht jede Farbe passt auf jeden Untergrund. Silikatfarbe etwa haftet auf mineralischen Flächen hervorragend, auf alten Kunststoffanstrichen jedoch nur mit speziellem Grundsystem.
Emissionen und Wohngesundheit
Ein zentrales Kaufargument für Naturfarben ist die geringe Ausdünstung flüchtiger organischer Verbindungen. Achten Sie auf entsprechende Kennzeichnungen und Prüfsiegel:
- Angaben zu VOC-Gehalt oder die Auslobung lösemittelfrei beziehungsweise emissionsarm
- Prüfzeichen wie der Blaue Engel oder das natureplus-Siegel als Orientierung
- Vollständige Volldeklaration statt vager Naturbegriffe
- Hinweise für Allergiker, etwa zu Konservierung und Duftstoffen
Gerade in Schlaf- und Kinderzimmern zahlt sich eine emissionsarme Farbe aus. Wer empfindlich reagiert, sollte auf konservierungsmittelarme oder konservierungsmittelfreie Systeme achten, die es teils in Gebindeform mit besonderer Verpackung gibt.
Deckkraft und Ergiebigkeit ehrlich bewertet
Bei der Deckkraft gibt es Unterschiede. Gute Naturharz-Dispersionen decken in zwei Anstrichen zuverlässig. Reine Kalk- und Lehmfarben wirken lasierender und benötigen je nach Untergrund und Farbton mehrere Aufträge. Das ist kein Mangel, sondern Teil des Charakters mineralischer Anstriche.
- Ergiebigkeit in Quadratmeter pro Liter auf dem Gebinde prüfen
- Bei starken Farbtönen und dunklen Untergründen mehr Anstriche einplanen
- Passende Grundierung des gleichen Systems verbessert Deckung und Haftung
- Abtönen nur mit systemverträglichen, mineralischen Pigmenten
Worauf Sie beim Kauf konkret achten sollten
Damit die Farbe zum Projekt passt, hilft eine kurze Checkliste vor dem Kauf:
- Untergrund klären: mineralisch, bereits gestrichen, Gipskarton oder Putz
- Raum und Beanspruchung: Feuchtraum, Wohnraum oder Fassade
- Vollständige Deklaration und passende Prüfsiegel vorhanden
- Ergiebigkeit, Trocknungszeit und Überstreichbarkeit auf dem Datenblatt
- Systemkomponenten wie Grundierung und Abtönfarben vom selben Hersteller
Verarbeitung und Werkzeug
Naturfarben verhalten sich beim Streichen teils anders als gewohnte Dispersionen. Kalk- und Silikatfarben sind dünnflüssiger und benötigen gleichmäßiges, zügiges Arbeiten, damit keine Ansätze sichtbar bleiben. Lehm- und Naturharzfarben lassen sich meist unkompliziert mit Rolle und Pinsel auftragen.
- Untergrund gründlich reinigen, entstauben und bei Bedarf grundieren
- Werkzeug wählen, das der Hersteller empfiehlt, etwa Bürsten für Kalkfarbe
- Nass in nass arbeiten und die ganze Fläche in einem Zug streichen
- Angaben zu Trocknungs- und Überstreichzeiten einhalten
Weitere Materialien und Hersteller für ein gesundes Zuhause bündelt der Themenbereich Nachhaltig bauen. Eine kleine Probefläche an unauffälliger Stelle zeigt vorab, wie Farbton und Deckkraft auf Ihrem Untergrund wirken.
Grenzen von Naturfarben
Naturfarben sind eine gute Wahl für gesundes Wohnen, aber kein Allheilmittel. Auf stark beanspruchten Flächen, etwa in Fluren oder bei häufigem Abwaschen, sind manche mineralischen Anstriche empfindlicher als robuste Kunststofffarben. Für solche Bereiche gibt es strapazierfähigere Naturharz-Systeme oder spezielle Wischfestigkeitsklassen, die man beim Kauf gezielt erfragen sollte. Auch die Verarbeitung erfordert oft mehr Sorgfalt und den passenden Untergrund, und einzelne mineralische Farben sind im Materialpreis höher. Wer diese Punkte einplant und das richtige System wählt, erhält langlebige, wohngesunde Oberflächen, die sich zudem gut ausbessern lassen. Im Zweifel lohnt vor dem Kauf eine Probefläche und die Rücksprache mit dem Hersteller oder Fachhandel, damit Farbton, Deckkraft und Beanspruchbarkeit wirklich zum Raum passen. Rechnen Sie den Bedarf anhand der Wandfläche und der angegebenen Ergiebigkeit aus, damit Sie weder zu wenig noch unnötig viel Farbe kaufen und Reste vermeiden.
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Häufige Fragen
Sind Naturfarben wirklich emissionsärmer als normale Wandfarben?
Hochwertige Naturfarben verzichten weitgehend auf Lösemittel und petrochemische Zusätze und dünsten meist weniger flüchtige organische Verbindungen aus. Orientierung geben Angaben zum VOC-Gehalt sowie Prüfsiegel wie der Blaue Engel oder natureplus.
Welche Naturfarbe eignet sich für feuchte Räume?
Kalkfarbe ist stark diffusionsoffen und bietet Schimmel wenig Grundlage, weshalb sie sich für feuchtere Innenräume anbietet. Für mineralische Untergründe und Fassaden ist Silikatfarbe eine sehr langlebige Wahl.
Decken Naturfarben genauso gut wie konventionelle Farben?
Gute Naturharz-Dispersionen decken in zwei Anstrichen zuverlässig. Reine Kalk- und Lehmfarben wirken lasierender und brauchen je nach Untergrund und Farbton mehr Aufträge. Die Ergiebigkeit steht auf dem Gebinde.
Ist der Begriff Naturfarbe geschützt?
Nein, der Begriff ist rechtlich nicht geschützt. Aussagekräftiger als die Bezeichnung ist die vollständige Volldeklaration aller Inhaltsstoffe, die seriöse Hersteller offenlegen.
Kann ich Naturfarbe auf einen alten Kunststoffanstrich streichen?
Das hängt vom Farbtyp ab. Silikatfarbe benötigt dafür ein spezielles Grundsystem, während Naturharz-Dispersionen breiter einsetzbar sind. Prüfen Sie den Untergrund und die Herstellerangaben, im Zweifel mit einer Probefläche.