Gründüngung im Bio-Garten: Pflanzen, Aussaatzeit und Einarbeiten
Gründüngung im Bio-Garten: welche Pflanzen zur Fruchtfolge passen, wann Sie aussäen und wie Sie die Begrünung rechtzeitig beenden und flach einarbeiten.
Was Gründüngung im Garten bewirkt
Bei einer Gründüngung wird der Boden nicht dauerhaft offen gelassen, sondern mit geeigneten Pflanzen bedeckt. Sie wachsen zwischen den Hauptkulturen oder auf freien Flächen und werden später gemäht, abgeschnitten oder in den Boden eingearbeitet. Anders als bei einer Ernte steht dabei nicht die Nutzung der Pflanzen selbst im Vordergrund, sondern ihre Wirkung auf den Boden.
Eine geschlossene Pflanzendecke kann die Bodenoberfläche vor direkter Sonne, Wind und kräftigem Regen schützen. Die Wurzeln lockern je nach Pflanzenart unterschiedliche Bodenschichten und hinterlassen nach ihrem Absterben feine Hohlräume. Oberirdische Pflanzenteile und Wurzeln werden nach dem Verrotten zu organischer Substanz. Sie fördern damit das Bodenleben und tragen zu einer lockeren, krümeligen Bodenstruktur bei.
Auch die Nährstoffversorgung kann profitieren. Bestimmte Pflanzen aus der Familie der Hülsenfrüchtler gehen an ihren Wurzeln eine Verbindung mit Bakterien ein, die Stickstoff aus der Luft binden. Andere Arten nehmen vorhandene Nährstoffe auf und halten sie in ihren Pflanzenteilen, bis diese verrotten. Gründüngung ersetzt jedoch keine standortgerechte Pflege und liefert nicht bei jeder Pflanzenart dieselbe Wirkung.
Welche Pflanzen eignen sich?
Die Auswahl richtet sich nach dem freien Zeitraum, dem Bodenzustand und den Kulturen, die davor oder danach wachsen sollen. Eine einzelne Pflanzenart kann für einen bestimmten Zweck passend sein; Mischungen verbinden mehrere Eigenschaften. Entscheidend ist, dass die Pflanzen in die Fruchtfolge des Gartens passen.
Leguminosen für die Stickstoffbindung
Klee, Wicken und Erbsen gehören zu den Leguminosen. Mit passenden Knöllchenbakterien an den Wurzeln können sie Stickstoff aus der Luft binden. Das macht sie als Zwischenbegrünung interessant, wenn später eine Kultur mit höherem Stickstoffbedarf folgt. Die Pflanzen sollten dabei ausreichend Zeit zum Wachsen haben. Wird die Fläche sehr früh abgeräumt, bleibt die mögliche Wirkung begrenzt.
Leguminosen sind nicht für jede Fruchtfolge die richtige Wahl. Wenn auf einem Beet bereits Hülsenfrüchte angebaut wurden oder solche bald folgen sollen, kann eine andere Pflanzenfamilie sinnvoller sein. So lässt sich vermeiden, verwandte Kulturen wiederholt direkt nacheinander auf derselben Fläche anzubauen.
Gräser und Getreide für eine dichte Bodenbedeckung
Gräser und bestimmte Getreidearten bilden oft eine dichte Wurzelmasse. Sie eignen sich, um freie Beete zu begrünen und den Boden über einen längeren Zeitraum bedeckt zu halten. Ihre Wurzeln können die oberste Bodenschicht durchziehen und stabilisieren. Nach dem Absterben bleibt organisches Material zurück.
Bei der Auswahl sollte die spätere Kultur berücksichtigt werden. Manche Gräser können sich aussamen oder kräftig weiterwachsen, wenn sie nicht rechtzeitig entfernt werden. Für ein Beet, das bald wieder genutzt werden soll, ist deshalb eine Art passend, die sich zum gewünschten Zeitpunkt gut beenden lässt.
Kreuzblütler und tiefwurzelnde Arten
Senf und Ölrettich gehören zu den Kreuzblütlern. Sie bilden rasch Blattmasse und können mit ihren Wurzeln in tiefere Bodenschichten vordringen. Das kann auf geeigneten Flächen zur Durchwurzelung beitragen. Vor der Aussaat ist jedoch wichtig, die Pflanzenfamilie der folgenden Kultur zu prüfen: Kreuzblütler als Gründüngung passen nicht gut in eine Fruchtfolge, in der bald Kohl oder andere Kreuzblütler wachsen sollen.
Tiefwurzelnde Arten können auch dann eine Option sein, wenn der Boden nicht nur an der Oberfläche durchwurzelt werden soll. Die Wurzeln ersetzen allerdings keine mechanische Lockerung bei stark verdichtetem Boden. Die passende Wahl hängt davon ab, welche Kulturfolge geplant ist und wie lange das Beet frei bleibt.
Mischungen sinnvoll auswählen
Eine Mischung kann unterschiedliche Wuchsformen und Wurzeltiefen zusammenbringen. Achten Sie beim Zusammenstellen darauf, dass die enthaltenen Pflanzen zu den geplanten Gemüsearten passen und ähnliche Ansprüche an Aussaatzeit und Pflege haben. Eine Mischung ist nicht automatisch besser als eine einzelne Art: Zu viele Komponenten können die Auswahl unübersichtlich machen oder unerwünschte Überschneidungen in der Fruchtfolge schaffen.
Der richtige Zeitpunkt für die Aussaat
Gründüngung lässt sich je nach Pflanzenart und verfügbarem Zeitraum zu verschiedenen Jahreszeiten aussäen. Ausschlaggebend ist, dass die Pflanzen vor dem Ende ihrer Wachstumszeit genügend Zeit haben, sich zu etablieren. Beachten Sie die Angaben auf der Saatgutpackung und berücksichtigen Sie die örtlichen Bedingungen, denn Wetter und Boden können den geeigneten Aussaatzeitpunkt verschieben.
Aussaat im Frühjahr und Sommer
Im Frühjahr kommen Arten infrage, die sich bei den dann herrschenden Bedingungen zügig entwickeln. Sie können eine Fläche begrünen, die erst später im Jahr für Gemüse benötigt wird. Wer eine Gründüngung zwischen zwei Kulturen einplant, sollte nicht nur die Keimung, sondern auch die Zeit für das spätere Beenden und Verrotten einkalkulieren.
Im Sommer kann eine Aussaat nach der Ernte eines Beetes erfolgen. Je früher die Fläche frei wird, desto größer ist gewöhnlich der Zeitraum, in dem die Gründüngung wachsen kann. Bei trockener Witterung ist eine gleichmäßige Bodenfeuchte für die Keimung wichtig. Der Boden sollte nicht unnötig bearbeitet werden; eine feinkrümelige Oberfläche erleichtert aber den Kontakt zwischen Saatgut und Erde.
Aussaat im Spätsommer und Herbst
Nach einer frühen Ernte kann eine Herbstbegrünung den Boden bedecken, statt ihn bis zur nächsten Kultur offen zu lassen. Dafür eignen sich Pflanzen, die sich innerhalb des verbleibenden Zeitraums ausreichend entwickeln. Soll die Begrünung über den Winter stehen bleiben, muss die Pflanzenart zu den örtlichen Winterbedingungen passen.
Nicht jede Gründüngung ist winterhart. Frostempfindliche Arten sterben bei niedrigen Temperaturen ab; winterharte Arten können länger auf der Fläche bleiben. Welche Variante sinnvoll ist, hängt davon ab, ob das Beet vor dem Winter oder erst im Frühjahr wieder vorbereitet werden soll. Planen Sie die Folgekultur frühzeitig ein, damit die Begrünung rechtzeitig entfernt oder eingearbeitet werden kann.
Aussaat und Pflege in der Praxis
Räumen Sie zunächst grobe Pflanzenreste ab und lockern Sie die Oberfläche bei Bedarf leicht. Eine tiefe Bodenbearbeitung ist für die Aussaat in der Regel nicht nötig. Verteilen Sie das Saatgut gleichmäßig und arbeiten Sie es entsprechend der jeweiligen Aussaatangabe flach ein. Drücken Sie die Oberfläche anschließend leicht an, damit Samen und Erde Kontakt haben.
Halten Sie die Fläche nach der Aussaat gleichmäßig feucht, bis die Samen gekeimt sind. Bei ausbleibendem Regen kann vorsichtiges Wässern nötig sein. Ist die Begrünung erst einmal etabliert, richtet sich der weitere Pflegebedarf nach Pflanzenart und Wetter. Kontrollieren Sie die Fläche gelegentlich, damit sie sich nicht unbemerkt aussamt oder die vorgesehene Folgekultur behindert.
Gründüngung beenden und einarbeiten
Der passende Zeitpunkt hängt davon ab, ob die Pflanzen vor der Samenbildung abgeräumt werden müssen, ob Frost sie absterben lässt und wann das Beet wieder gebraucht wird. Beenden Sie den Wuchs rechtzeitig, damit die Pflanzen nicht mit der Folgekultur konkurrieren. Für kleinere Flächen können die Pflanzen abgeschnitten werden. Das Schnittgut lässt sich, sofern es gesund und nicht zu grob ist, als dünne Auflage auf der Bodenoberfläche liegen lassen.
Wird die Pflanzenmasse eingearbeitet, sollte das nur oberflächlich und nicht in großen Mengen geschehen. Zu viel frisches Material in tieferen Bodenschichten kann den Abbau erschweren. Bei einer oberflächlichen Einarbeitung bleiben die Bodenstruktur und das Bodenleben möglichst wenig gestört. Alternativ kann die Begrünung abgemäht und das Material als Mulch genutzt werden.
Lassen Sie dem Pflanzenmaterial ausreichend Zeit zum Verrotten, bevor Sie direkt danach säen oder pflanzen. Wie lange das dauert, hängt unter anderem von Pflanzenart, Zerkleinerung, Feuchtigkeit und Temperatur ab. Bei einer dicken, schwer abbaubaren Schicht kann es sinnvoll sein, zunächst einen Teil des Materials abzuräumen oder es oberflächlich liegen zu lassen.
Häufige Fehler vermeiden
- Unpassende Pflanzenfamilie wählen: Prüfen Sie, welche Gemüsearten vorher und nachher auf dem Beet wachsen. Verwandte Pflanzen sollten nicht ohne Rücksicht auf die Fruchtfolge aufeinander folgen.
- Zu spät aussäen: Wenn die Pflanzen vor dem Winter kaum noch wachsen können, bleibt die gewünschte Bodenbedeckung möglicherweise aus. Orientieren Sie sich an den Aussaatangaben und dem verfügbaren Zeitraum.
- Zu lange stehen lassen: Samenbildung kann dazu führen, dass sich die Gründüngung selbst verbreitet. Beenden Sie den Wuchs deshalb vor der Reife der Samen, wenn eine Selbstaussaat unerwünscht ist.
- Frisches Pflanzenmaterial tief vergraben: Große Mengen können dort langsamer verrotten. Arbeiten Sie die Pflanzenmasse nur flach ein oder verwenden Sie sie als Auflage.
- Gründüngung als Sofortlösung betrachten: Ihre Wirkung entwickelt sich über das Pflanzenwachstum und den anschließenden Abbau. Sie ersetzt keine passende Fruchtfolge und keine sorgfältige Bodenpflege.
Fazit
Gründüngung schützt freie Gartenflächen, bringt organisches Material in den Boden und kann je nach Pflanzenart die Durchwurzelung oder Nährstoffversorgung unterstützen. Wählen Sie die Begrünung passend zur geplanten Fruchtfolge und zur verfügbaren Wachstumszeit. Wird sie rechtzeitig beendet und schonend verarbeitet, kann sie ein sinnvoller Baustein der ökologischen Bodenpflege sein.
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Häufige Fragen
Kann Gründüngung auch in großen Pflanzgefäßen wachsen?
Ja, grundsätzlich lassen sich niedrig wachsende Arten auch in ausreichend großen Gefäßen aussäen. Achten Sie darauf, dass die Pflanzen nicht zu stark wachsen und sich die Wurzeln im begrenzten Erdvolumen entwickeln können. Vor der nächsten Bepflanzung muss das Pflanzenmaterial ausreichend abgebaut sein.
Kann ich Saatgut aus einer eigenen Gründüngung wiederverwenden?
Das ist grundsätzlich möglich, wenn die Pflanzen gesund sind und Sie die Art sicher bestimmen können. Bei Mischungen ist es oft schwieriger, die einzelnen Arten und ihre Eignung für die nächste Fruchtfolge zu überblicken. Außerdem kann selbst gewonnenes Saatgut Eigenschaften der Ausgangsmischung verlieren oder sich ungleichmäßig entwickeln.
Eignet sich Gründüngung unter Obstbäumen?
Eine niedrig wachsende Begrünung kann auch im Bereich unter Obstbäumen infrage kommen, sofern sie nicht mit dem Baum um Wasser und Licht konkurriert. Lassen Sie ausreichend Abstand zum Stamm und berücksichtigen Sie die vorhandene Bepflanzung. Welche Pflanzen passen, hängt von Boden, Schatten und der Pflege des Baumstandorts ab.
Muss ich Gründüngung jedes Jahr auf demselben Beet aussäen?
Nein. Ob und wann eine Gründüngung sinnvoll ist, richtet sich danach, wie lange die Fläche frei bleibt und welche Kulturen in der Fruchtfolge stehen. Ein wechselnder Einsatz verschiedener Pflanzenarten hilft, die Begrünung an den jeweiligen Bedarf des Beetes anzupassen.